111 Jahre Avantgarde Mark

Hier können Sie sich eine kleine Geschichte der Avantgarde Mark aus der Festzeitschrift zum 175 jährigen Jubiläum des Kirchspiel Märkischen Schützenvereins im Jahre 2002 lesen.

 

In der außerordentlichen Generalversammlung vom 16.08.1891 bei der Ww. Haumann in der Südenfeldmark wurde die Gründung einer Avantgarde genehmigt. Hierzu war eine Satzungsänderung notwendig. Zur Festlegung der Bedingungen und Vorbereitungen der Satzungsänderung bildete man eine Kommission. Ihr gehörten an: G. Quadfasel, W. Knauft, W. Heßfeld, W. Vogt, W. Vogel, F. Mecklenbrauck und H. Damberg.

 

Am 30.08.1891 erfolgte die Gründung. Erster Kommandeur wurde Gottlieb Kleine. Als Offiziere für den 2. und 3. Zug wählte man Friedrich Mecklenbrauck und Wilhelm Kleine. Jedes Mitglied zahlte eine Mark in die Kasse. Der Jahresbeitrag wurde auf zwei Mark festgesetzt. Abzeichen der Avantgarde war eine über die rechte Schulter getragene Schärpe in grün – weiß. Beim Königsschießen war im blauen Kittel und schwarzer Mütze, bei sonstigen Anlässen im dunklen Anzug mit Hut, aber immer mit Gewehr zu marschieren.

 

Bereits früher gab es beim Kirchspiel Märkischen Schützenverein eine Avantgarde. So ist im Protokoll vom 20. April 1884 zu lesen, dass die Büchsen der früheren Avantgarde an diejenigen Schützen ausgelost werden sollten, die am Vogelschießen teilnahmen. Über den Zeitpunkt der Gründung und der Auflösung dieser frühen Avantgarde kann heute leider nichts mehr in Erfahrung gebracht werden. 1904 bezahlte der Hauptverein für die Avantgarde ein Strafmandat von 15 Mark wegen eines „öffentlichen Aufzuges“. Regelmäßig wurde an der Sedanfeier teilgenommen und Rekrutenabschied gefeiert. Am 01.01.1905 wurden fünf einberufene Avantgardisten verabschiedet. Jeder erhielt eine „Wichsbürste“ zum Preis von drei Mark. Ein Fass Bier (27 l) wurde getrunken. Für Musik wurde zwölf Mark ausgegeben. 1914 betrug der Bierpreis für die Garde 35 Pfennig pro Liter. Mit Kriegsbeginn 1914 endeten die Aktivitäten. Im Kriegsjahr 1914 sind zwölf Avantgardisten gefallen.

 

Nach dem 1. Weltkrieg traf sich die Avantgarde erstmals am 06.06.1920 mit 51 Mitgliedern. Laut Beschluss von 10.11.1928 wurde jährlich 50 Mark für ein neues Banner bei der Spar- und Darlehnskasse Mark hinterlegt. 1929 wurde die Avantgardenlaube mit wildem Wein bepflanzt. Am 25.07.1929 startete eine Kremserfahrt nach Schlotmann in Eilmsen. Die Wagen stellten H. Meyer, F. Holsräter und W. Wilms. Nach dem Kaffeetrinken bei Sonnenschein fand das erste Bierkönigschießen statt. König wurde Karl Marquart. 1930 wurde Hermann Meyer zweiter Bierkönig. Der Verein gewährte der Avantgarde zur Anschaffung eines Banners einen Zuschuss von 50 Mark. Am Freitag, dem 20.06.1930, nach dem Aufsetzen des Vogels, wurde nach einem Vorsprung von Fr. Hedwig Rose das neue Banner durch den 1. Adjutanten und Ehrenmitglied der Avantgarde, H. Meyer, geweiht. Das alte Banner sollte einen ehrenvollen Platz bekommen. Nach den Worten von H. Meyer sollte das neue Banner ein Sinnbild sein, um das sich alle scharen. Die Avantgarde bezeichnete er als das sprießende Reis des Vereins. Er schloss mit dem Wunsch, dass Schützen und Avantgarde allzeit treu zusammen stehen möchten. 1933 hatte die Avantgarde 31 Mitglieder. Der Beitrag betrug zwei Mark, für Arbeitslose eine Mark. Beim Schützenfest galt der Dank den Gardisten, die aus den Arbeitsdienstlagern gekommen waren. Am letzten Schützenfest vor dem 2. Weltkrieg, das August 1939 gefeiert wurde, nahmen neun Avantgardisten teil. Die übrigen Mitglieder waren bereits beim Arbeitsdienst oder bei der Wehrmacht.

 

Nach elf Jahren Pause traf sich die Avantgarde am 30.04.1950. Unter Leitung ihrer Kommandeure W. Rahe und Friedhelm Kattenbusch nahm sie am 1. Nachkriegsschützenfest teil, das am 15. und 16. Juli gefeiert wurde.

 

1951 feierte man das 1. Bierkönigschießen nach dem Krieg. König wurde Helmut Vothknecht. Zum 125jährigen Jubiläum des Kirchspiel Märkischen Schützenvereins im Jahre 1952 schmückte die Avantgarde schon Tage vor dem Schützenfest (19. und 20.07.) die Straßen in der Mark mit Fähnchen und Girlanden.

 

Aus vielen Protokollen ist ersichtlich, dass der Verein stolz auf seine Avantgarde war. 1966 feierte die Avantgarde ihr 75jähriges Jubiläum unter der Leitung ihrer Kommandeure H. D. Möller und Horst Möller. Der Beitrag betrug zu dieser Zeit 6,50 DM jährlich. Das Bierkönigschießen fand am 26.09.1970 auf Scheiben statt. König wurde Walter „Schelde“ Rosendahl. Diese Art des Vogelschießen stieß aber nicht auf sehr viel Gegenliebe, so dass man 1971 wieder den Kampf um die Bierkönigswürde mit einem Vogelschießen durchführte. Am 27.05.1972 beteiligte man sich am Treffen aller Avantgardisten in Wiescherhöfen. Im gleichen Jahr spendete die Avantgarde 500 DM für ein Fenster in der neuen Schützenhalle. Ein Umbruch wurde in den Jahren 1974 / 1975 durch den damaligen 1. Kommandeur Ulli Rethage eingeleitet. Durch seinen unermüdlichen Einsatz bei vielen jungen Leuten wurde wieder das Interesse für die Avantgarde geweckt, so dass in den folgenden Jahren bis 1977 ein stetiger Anstieg der Mitgliederzahl zu verzeichnen war und bis 1997 angehalten hat. In den Jahren zuvor hatte das Interesse mangels Überalterung sowie durch das Aufkommen anderer, neuerer Freizeitgestaltung sehr nachgelassen. In diesen Jahren wurde auch in der Laube der Fußboden und die Lichtanlage erneuert. Aktiv beteiligte sich auch die Avantgarde am 150jährigen Jubelfest durch Transparentmalen für die Ortseinfahrten in Mark. Auch das Eiersammeln am Montagmorgen erlebte eine Wiederauferstehung. Es wurde bis in die neunziger Jahre hinein ein fester Bestandteil des Schützenfestes und führte zu manch lustiger Angelegenheit, die bis heute in Erinnerung geblieben ist.

 

Der Avantgarde wurde zu dieser Zeit auch das Leben schwer gemacht. Stetig ansteigende Bierpreise führten dazu, dass die Avantgarde durch geschlossenes Auftreten während der Jahreshauptversammlung dieser Preisforderung Einhalt gebieten konnte. Das Avantgardenfest wurde von der Rechnungslage des Hauptvereins gelöst und auf einem eigenen Termin, Mitte September gefeiert. Als zusätzliche Auszeichnung für das Bierkönigschießen wurde der „Wilfried Wiße Pokal“ für denjenigen gestiftet, der das Fässchen abschoss. In den darauf folgenden Jahren wurde der Termin dann auf den letzten Samstag im August festgelegt und bildet seit dem einen festen Bestandteil in unserem Vereinsleben. Aus den Reihen der Avantgarde wurde im Jahr 1977 wieder einmal versucht, eine Schießgruppe unter der Leitung von Jochen Stephan, Norbert Zicholl und Manfred Erdmann innerhalb der Vereins zu etablieren, nachdem die in den fünfziger Jahren gegründete Schießgruppe nicht mehr bestand. Nach anfänglichen Erfolgen bei Rundenwettkämpfen, Erringung des OB Pokals der Ostener Avantgarden und einigen selbst durchgeführten Pokalschießen um den Pokal des „Grafen Adolf von der Mark“ musste der Schießbetrieb auf Grund mangelnden Interesses nach elf Jahren eingestellt werden. 1978 wurde eine neue Holztheke in der Laube errichtet. Eine Fußballmannschaft aus den Reihen der Avantgardisten wurde 1979 ins Leben gerufen. Sie schloss sich dem VFL Mark, obwohl große Skepsis seitens des Vorstandes bestand, als „3. Mannschaft“ an und wurde erst nach über zwanzig Jahren aufgrund mangelnder Spieler wieder vom Spielbetrieb zurückgezogen.

 

1979 gab der Kommandeur K. H. Wüste dem Stadtverband die Zusage zur Ausrichtung des Stadtavantgardentreffens im Jahre 1980. Im Oktober 1979 stand die Avantgarde unter ihrem neuen Kommandeur Friedwilm Kohlhase erstmals wieder Spalier und ließ damit wieder eine alte Tradition auferstehen. Mit über 25 Avantgardisten fuhr man nach Herringen, um an der Trauung des ehemaligen Kommandeurs Ulli Rethage und seiner Frau Renate teilzunehmen. 1980 wurde das Stadtavantgardentreffen mit großem Erfolg ausgerichtet. Im Jahre 1981 begann der Avantgardenvorstand erstmalig eine eigene Satzung in „mehreren anstrengenden Sitzungen“ auszuarbeiten. Sie wurde 1982 von der Versammlung angenommen und ist bis heute in Kraft.

 

1982 wurde auch der Austritt aus dem Stadtverband beschlossen. Mangelndes Interesse sowie einige unschöne Vorkommnisse auf Veranstaltungen vom Stadtverband führten zu diesem Entschluss, der dann zusammen mit den befreundeten Avantgarden von Uentrop-Haaren und Braam-Ostwennemar vollzogen wurde. Dieser Austritt hatte dazu geführt, dass sich der Kontakt zu den befreundeten Avantgarden seitdem noch vertieft hat. Die Theke in der Laube musste abermals erneuert werden. Den Thekenaufbau holten die beiden Kommandeure aus Osnabrück. Unter Mithilfe der Schützenbrüder Prinz und Hegemann wurde eine neue, gemauerte Theke errichtet. Kremserfahrten, sowie Fahrrad-Orientierungsfahrten gehörten zum damaligen Veranstaltungskalender. 1982 bekommen die beiden Kommandeure Stimmrecht im erweiterten Vorstand.

 

Folgende Anekdoten seien noch erwähnt. Im Jahre 1983 musste die Avantgarde an zwei Plätzen, Geithe und Norddinker, Laub schlagen. Nachdem die Truppe in Norddinker vier Wagen voll aufgeladen hatte, wurde sie darauf aufmerksam gemacht, dass sie doch im falschen Busch das Laub geschlagen hatte. Schnell wurde der Ort des Vergehens verlassen, um anschließend mit eine „Pulle Schluck“ und einem Strauß Blumen Abbitte zu leisten.

 

Im Herbst wurden dann noch regelmäßig Fahrten zur Nordsee oder nach Skandinavien unternommen. Danach ging es dann weiter südlich über Bremen und Holland an die Hochburgen am Rhein, wie Rüdesheim und Boppard.

 

1985 erfolgte eine größere Dachreparatur der Laube. Unter den Kommandeuren Mathias Althoff und Detlef Kleine ergab sich wiederum ein Generationswechsel.

 

Die Avantgarde war bis auf 56 Mitglieder im Jahr 1987 angewachsen. Da sie sich auch in den Folgejahren großer Beliebtheit erfreute, sank die Zahl der Gardisten trotz des Generationenwechsel bis zum 100jährigen Avantgardenjubiläum im Jahr 1991 nur geringfügig auf 40. Das 1930 geweihte Banner wurde zum Jubiläum umfassend restauriert und erhielt zum Schützenfest 1991 einen von den ehemaligen Kommandeuren gestifteten neuen Bannerstock und Bannerstab nebst Wimpel. Am 31.08.1991 konnten dann 13 Gastavantgarden auf dem Marker Schützenplatz von den Kommandeuren Christian „Kicker“ Berghoff und Christoph Mingenbach begrüßt werden. Mit vier Spielmannszügen und über 500 angetretenen Avantgardisten wurde unter der Schirmherrschaft von Oberbürgermeisterin Sabine Zech ein Höhepunkt in der Geschichte der Avantgarde gefeiert. Um die Schießtätigkeit der Avantgarde anzuregen, stiftete der Gardist Matthias Althoff auf der Jahreshauptversammlung 1991 einen Pokal, der seit 1992 jährlich unter den Gardisten geschossen wird.

 

Ab 1993 erfolgte dann eine umfangreiche Neugestaltung der Laube. Nach unzähligen Diskussionen mit dem Hauptverein wurde vor der Laube ein kleiner Biergarten mit Palisaden abgeteilt und gepflastert, die Decke und die Innenwände der Laube erhielten ein neues Aussehen, es wurden Be- und Entlüfter, sowie eine neue Beleuchtung und Elektrik verlegt, so dass man heute zu Recht von der Laube als einem Schmuckstück reden kann.

 

Aber nicht nur an die eigene Laube wurde gedacht. Im Jahr 1993 wurde sich mit 800 DM an den Kosten der Dacherneuerung an der Schützenhalle beteiligt.

 

Um auch beim Laubverteilen, der Hauptabnahme und anderen gemeinsamen Freizeitaktivitäten ein einheitliches Bild abzugeben, wurden 1995 mit dem Wahlspruch der Avantgarde bedruckte T-Shirts angeschafft. Durch die zahlreichen Ausmärsche sichtlich in Mitleidenschaft gezogen und nicht mehr zu reparieren, musste ein neues Banner angeschafft werden. Die Bannerweihe fand am 17.07.1998 im Anschluss an dem ökonomischen Gottesdienst auf dem Burghügel statt. Ein Großteil der Kosten in Höhe von ca. 3.500 DM konnte durch eine Tombola und mehrere großzügige Spenden gedeckt werden. Das neue Banner ist ein Duplikat des bisherigen und trägt auf der Rückseite ebenfalls den Wahlspruch der Marker Avantgarde:

 

„Einigkeit macht stark“:

 

Auch personell wurde ab 1998 ein weiterer Generationenwechsel vollzogen. Trotz vielfältiger Aktivitäten wie Biwak, Grillabende, Weihnachtsmarktbummel oder der Besuch anderer Schützenfeste stagniert die Zahl der Gardisten zur Zeit bei ca. 20 Mitgliedern. Dass diese für Marker Verhältnisse relativ kleine Garde durchaus kein Nachteil sein muss, verdeutlicht ein Satz des aktuellen Kommandeurs Stephan Klaus: “Mir sind 15 oder 20 Gardisten, auf die ich mich verlassen kann, die mitmachen, wenn es um die Avantgarde oder den Schützenverein geht, deutlich lieber als eine Garde mit 30 oder 40 Gardisten, wo sich kleine Grüppchen bilden, die sich untereinander nicht einig sind und sich gegenseitig blockieren“.

 

© Friedrich Wilhelm Kohlhase, Ulli Ophaus und Friedrich Neuhaus.