Das Banner - ein Stück Stoff mit Geschichte

Schon seit dem Altertum, spätestens aber seit der römischen Antike sind Fahnen als ein Symbol der Treue und als Feldzeichen bekannt. Sie zeigten dem Feind, mit wem er es zu tun hatte und auf wen er sich einstellen musste. Dem eigenen Heer dienten sie zur Orientierung. Schließlich wollte man im Kampfgemetzel wissen, wo die eigenen Leute standen oder lagen.

So haben Fahnen also durchaus einen militaristischen Ursprung. Sie machten kenntlich, um wen und was es ging. So hatten die Truppen des römischen Imperiums das bekannte S.P.Q.R. auf ihren roten Fahnen, die an Querstangen aufgehängt an die Form des heutigen Banners erinnern. Dieses „Senatus Populusque Romanum“ (S.P.Q.R.) bedeutete: Hier habt ihr es mit dem Senat, der Regierung und dem Volke der römischen Weltmacht zu tun.

Das Banner aber, wie wir es kennen, hat seinen Ursprung im Mittelalter.

Die Päpste, welche den Königen Deutschlands seit Karl dem Großen die Kaiserwürde verliehen, taten dies nicht ohne Eigennutz. Sie überreichten den Kaisern eine Schriftrolle, welche den Machthaber an die Treue zu Rom erinnerten. Die Päpste banden den Kaiser durch einen Treueid an sich. Und da sind wir auch schon bei der Herkunft des Namens unseres Banners. Die Päpste banden den Kaiser an sich. Ein Bann, nicht zu verwechseln mit dem Bann der Ächtung, wurde ausgesprochen. Fortan nannte man dieses Schriftstück „Banner“.

Die Feldzeichen erfüllten so seit dem Mittelalter den Zweck, auch die Truppen an ihren Fürsten zu binden, zu bannen. Sie sind also die Fortführung des verbrieften Anspruchs der Päpste an die Kaiser des Mittelalters.

Im Wesen zwar anders, doch im Prinzip zu vergleichen, erfüllt diesen Zweck auch das Banner der Avantgarde. Sein Vorläufer war übrigens jahrelang ein einfaches Metallschild mit dem Schriftzug der Avantgarde. Die Form stellt sich in einer frei erfundenen Wappenform da, welche sich heraldisch nicht ableiten lässt. An zwei Tierköpfen waren rechts und links je ein Fuchsschwanz befestigt. Dieses Schild ist noch erhalten und in der Schützenhalle zu besichtigen.

Nun aber zurück zu unserem Banner. Auf der Seite des Banners, welche nach vorn getragen wird, zeigt es zunächst einmal an, um wen es sich handelt.

Dies geschieht durch den Schriftzug: „Gegr.: 1891 Avant Garde des Kirchspiel Märkischen Schützen Vereins Mark“. Es zeigt weiterhin das Abbild eines Adlers (derjenige des deutschen Kaiserreiches bis 1918), der die enge Bindung zur preußischen Tradition ausdrückt, sowie eine Zielscheibe und gekreuzte Gewehre, allesamt alte Symbole des Schützenwesens.

Auf der Rückseite, also der den marschierenden Avantgardisten zugewandten Seite, steht von Eichenlaub umrankt das Votum der Avantgarde: „Einigkeit macht stark“ Ein Votum, das gleichzeitig eindringlich zu Einigkeit der Avantgardisten untereinander mahnt (und in der Tat, mit diesem abschließenden Satz konnte schon so manche Unstimmigkeit beendet werden!), aber auch ermuntert und an die Sache der Gemeinschaft erinnert.

Dieses Banner aus dem Jahre 1930 wurde schon einigen hundert Avantgardisten vorausgetragen. Da nun der Adler seine Fittiche nicht mehr hängen lässt, nachdem im Jahre 1985 unser Banner restauriert wurde, möge es der Avantgarde Mark sowie dem gesamten Kirchspiel Märkischen Schützenverein noch viele Jahrzehnte vorangetragen werden.

 

Bericht aus der Festzeitschrift zum 100 jährigen Jubiläum der Avantgarde Mark

Gez. Thomas Kahl 1991

 

So lange, wie es von allen erhofft wurde, hielt das Banner leider nicht.

Seit 1998 hat die Avantgarde ein neues Banner, das lediglich eine Kopie des alten ist. Das alte Banner ist ebenfalls unserer Schützenhalle zu sehen.

 

Auf Grund der vielen Ausmärsche nagte der Zahn der Zeit so sehr an diesem Banner, dass eine Neuanschffung ratsamer war als eine Restauration.

Deshalb wurde Mitte der Neunziger Jahre ein neues Banner im Auftrag gegeben. Dieses Duplikat des alten Banners wurde nach dem ökomänischen Gottesdienst des Schützenfestes am 17.07.1998 auf dem Burghügel Mark geweiht. Das alte Banner fand einen würdigen Platz gleich neben dem Schild in der Avantgarden-Vitrine der Schützenhalle.